Artikel · Ergebnisse mit vorab festgelegten Kriterien

Strategie-Friedhof

Wir prüfen Trading-Ideen so, wie wir unsere eigenen geprüft haben möchten: Regeln vor der ersten Berechnung festgelegt, echte Kosten, Placebo und genau ein Schuss auf die Prüfstichprobe. Hier beschreiben wir die, die nicht überlebt haben — samt den Fehlern, die uns unterwegs passiert sind.

Wir nennen keine Anbieter oder Produkte: Wir beschreiben das Ergebnis unserer Rekonstruktion der Regeln auf unseren Daten, keine Bewertung eines Angebots.

Kapitel 1 · 9 Min. Lesezeit

Look-Ahead-Bias: Der Blick in die Zukunft im Filter des höheren Zeitrahmens

Der gefährlichste Fehler in einem Backtest ist der, der das Ergebnis verbessert, denn nach ihm sucht niemand. In unserem Test von Kanalausbrüchen „kannte“ ein Filter aus dem Tageschart den Tagesschluss, bevor es ihn gab. Aus einem Ergebnis nahe null machte er eine Strategie mit PF 1,29, überstand unsere erste Korrektur und flog erst auf, als wir den Backtest Wert für Wert mit den Signalen vom Demokonto verglichen.

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Kapitel 2 · 12 Min. Lesezeit

Die Broker-Uhr ist nicht UTC

Die Uhrzeit neben einer Kerze im Chart ist die Uhrzeit des Broker-Servers, weder die Weltzeit noch die mitteleuropäische Zeit. Innerhalb von drei Monaten haben wir diese Uhren mindestens neunmal verwechselt: in Backtests, in live laufenden Automaten und sogar in unserer eigenen Regel, die uns genau davor schützen sollte. Im Test des Ausbruchs aus der New Yorker Session verschob der Fehler alle Sessions um 2–3 Stunden und verriet sich durch eine merkwürdige Zahl: Die Strategie ergab 3 Trades, das Placebo 127. Die billigste Kontrolle war die Frage, zu welcher Uhrzeit sich Gold am stärksten bewegt.

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Kapitel 5 · 9 Min. Lesezeit

Repainting: Pfeile, die wieder verschwinden

Der Indikator zeichnet einen Pfeil, und der Chartverlauf sieht aus wie aus dem Lehrbuch: Die Pfeile stehen kurz vor der Bewegung. Wir haben gemessen, was ein Trader bekommt, der in dem Moment einsteigt, in dem der Pfeil erscheint. Dieselben Signale ergaben auf der gespeicherten Historie einen PF von 1,33, auf echten Ticks dagegen PF 0,54, also −0,30 R pro Trade. Den Unterschied machen Pfeile, die etwa eine Minute leben und dann aus der Historie verschwinden.

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Kapitel 7 · 10 Min. Lesezeit

Overfitting im Backtest: 1.344 Varianten, null Überlebende

Wir haben 1.344 Varianten einfacher Regeln aus gängigen Indikatoren geprüft und daraus die 13 ausgewählt, die in den Jahren 2018–2022 am besten abschnitten. Sie brachten im Schnitt +0,20 R pro Trade. In den Jahren 2023–2025, die wir bei der Auswahl nicht angesehen hatten, brachten dieselben Regeln +0,05 R, und keine bestand die Prüfung. Rund drei Viertel des „Vorteils“ waren der Preis dafür, aus vielen Varianten die beste herauszugreifen.

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Kapitel 10 · 12 Min. Lesezeit

ORB auf Gold: Ziel von 5 R in 29 von 926 Sessions erreicht

Wir haben den Ausbruch aus der Eröffnungsspanne (ORB) auf Gold geprüft, getrennt für die Londoner und die New Yorker Session, auf jeweils rund 930 Sessions aus den Jahren 2018–2023. Die beste Variante kam auf PF 1,06, ohne die drei besten Trades auf 1,03, bei einem Drawdown, der in der Simulation 20–32 % des Kapitals erreichte. Das Ziel von 5 R wurde in London in 29 von 926 Sessions erreicht und in New York kein einziges Mal. Die Strategie „selten, aber groß“ schloss die Positionen in der Praxis also zu einer festen Uhrzeit. Bevor wir beim Ergebnis ankamen, haben wir einen eigenen Uhrzeitfehler entdeckt, der alle Sessions um 2–3 Stunden verschoben hatte.

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Kapitel 12 · 11 Min. Lesezeit

Runde Zahlen als Unterstützung und Widerstand: acht Instrumente, acht Niederlagen

Trader mögen runde Zahlen: Dort platzieren sie häufiger ihre Gewinnmitnahme-Orders und direkt dahinter ihre Stops. Untersuchungen echter Orders einer Devisenbank von der Jahrtausendwende haben gezeigt, dass das kein Mythos ist. Wir haben geprüft, ob sich damit heute Geld verdienen lässt, auf Gold, sechs Indizes und dem Paar USD/JPY in den Jahren 2018–2023. Eine Limit-Order an der nächsten runden Zahl in Trendrichtung verlor nach Kosten auf allen acht Instrumenten (PF 0,83–0,93), und nach der Korrektur für acht Tests erwiesen sich runde Zahlen nicht als besser als zufällige Niveaus in derselben Entfernung.

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Kapitel 14 · 10 Min. Lesezeit

Limit oder Market: Die Limit-Order am Niveau verlor 9 von 11 Vergleichen

Dreimal haben wir dieselbe Strategie gebaut: eine Limit-Order in Trendrichtung, die auf einen Rücksetzer zu einem „wichtigen Niveau“ wartet. Geändert haben wir nur die Quelle der Niveaus (Niveaus des Vortags, runde Zahlen und ein Profil aus echtem Börsenvolumen), und jedes Mal haben wir das Ergebnis mit einem Einstieg zum Marktpreis verglichen, bei demselben Stop und demselben Positionsmanagement. Auf acht Instrumenten ergab das 11 Vergleiche, und die Limit-Order schnitt in 9 davon schlechter ab. Dieses Phänomen hat einen Namen: Negativauslese der Ausführungen.

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Kapitel 16 · 11 Min. Lesezeit

SMC-Kombi: Order Block, FVG, Sweep und Volumenspitze

Wir haben vier gängige Elemente der Smart Money Concepts zu einer mechanischen Regel zusammengesetzt und sie zweimal geprüft, auf sechs Instrumenten und mit zwei unterschiedlichen Ausstiegen. Mit einem engen Ziel waren die Signale etwas besser als Zufallseinstiege, aber zu schwach für die Kosten: PF zwischen 0,73 und 1,13, und keine der 12 Kombinationen überstand die Korrektur für multiples Testen. Mit einem weiten, trendfolgenden Ausstieg schnitten sie auf allen sechs Instrumenten schlechter ab als Zufallseinstiege.

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Kapitel 26 · 10 Min. Lesezeit

Bessere Daten, stärkerer Dollar? Wirtschaftsdaten haben zwei Minuten lang eine Richtung

Das Lehrbuch sagt: Fallen die US-Daten besser aus als prognostiziert, wird der Dollar stärker und Gold billiger. Wir haben das mit Kriterien geprüft, die vor der ersten Berechnung festgelegt waren, und das Ergebnis lautete: Eine Richtung gibt es nicht. Dann fanden wir in diesem Test zwei eigene Fehler. Die korrekte Messung zeigte, wo die Richtung tatsächlich liegt: in den ersten zwei Minuten, außerhalb der Reichweite eines gewöhnlichen Traders. Dieses Kapitel erzählt beide Geschichten, denn die zweite lehrt mehr als die erste.

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Kapitel 38 · 13 Min. Lesezeit

Carry auf 28 Währungspaaren: Die Prämie ist echt, das Risiko nicht tragbar

Carry ist die älteste Prämie am Devisenmarkt: Du kaufst eine Währung mit hohem Zinssatz gegen eine mit niedrigem und bekommst jede Nacht die Differenz. Auf 28 Paaren in den Jahren 2005–2026 wählte unsere Regel die Seiten der Paare deutlich besser als der Zufall (Placebo p = 0,004), die Prämie existiert also selbst nach den Kosten bei einem CFD-Broker. Sie verdiente jedoch im Schnitt 2,9 % pro Jahr bei einem Drawdown von 37,6 %. Nach einer Senkung des Risikos auf ein Niveau, das ein Konto aushält, blieben 0,2 % pro Jahr. In diesem Kapitel geht es darum, dass ein echtes Signal und eine profitable Strategie zwei verschiedene Dinge sind.

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Kapitel 44 · 10 Min. Lesezeit

Copy Trading: 1.920 Signale, 2 Kandidaten und ein Ergebnis ohne Regel

Auf einer Plattform mit Signalen zum Kopieren haben wir 1.920 öffentliche Signale durchgesehen und, bevor wir auch nur eine einzige Kapitalkurve gesehen hatten, mechanisch diejenigen mit langer Historie auf Gold ausgewählt. Übrig blieben zwei Kandidaten. Der erste scheiterte am Test auf Lotvergrößerung nach Verlusten. Beim Schreiben dieses Textes stellte sich heraus, dass der Test die Historie von hinten nach vorn gelesen hatte; nach der Korrektur erfüllt der Kandidat die Bedingung weiterhin nicht, aber das Wort „Martingal“ wäre zu stark. Der zweite hatte ein echtes, positives Ergebnis, auch nachdem wir unsere Kosten hinzugerechnet hatten, doch keine einfache Regel bildete seine Einstiege nach: Um mehr als 90 % davon zu erfassen, hätte sie mehr als 20-mal so viele Kerzen markieren müssen, wie das Kriterium zuließ.

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Kapitel 45 · 9 Min. Lesezeit

Gold-Signalkanäle auf Telegram: über 1.200 Signale, Ergebnis null

Wir haben mehr als 1.200 Gold-Signale aus drei öffentlichen Kanälen so abgerechnet, wie es ein automatischer Kopierer täte: mit einem Einstieg kurz nach der Veröffentlichung, mit Stop und Zielen aus der Nachricht und mit realen Kosten. Der Kanal mit der längsten, über fünfjährigen Historie brachte im Schnitt −0,012 R pro Signal, also null. In keinem der Kanäle unterschied sich die Richtung der Signale von einer zufälligen, und in einem fehlten mehr als 90 % der Nachrichtennummern.

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Kapitel 54 · 18 Min. Lesezeit

Ein Strategiegenerator findet immer einen Gewinner. Warum unser Tester nicht für dich sucht

Wir haben 40 künstliche Märkte gebaut, auf denen sich konstruktionsbedingt kein Geld verdienen lässt, und auf jedem 100.000 Varianten einer einfachen Ausbruchsstrategie durchsucht. In den Lernjahren sah die beste Variante wie ein fertiges System aus: im Schnitt +0,24 R pro Trade und PF 1,47. In den Prüfjahren: −0,02 R und PF 0,97. Das ist kein Pech einer einzelnen Simulation, sondern die Arithmetik der Auswahl der besten aus vielen. Deshalb hat unser Strategietester bewusst keine Suchfunktion.

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