SMC-Kombi: Order Block, FVG, Sweep und Volumenspitze
11 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 27.10.2026
Wir haben vier gängige Elemente der Smart Money Concepts zu einer mechanischen Regel zusammengesetzt und sie zweimal geprüft, auf sechs Instrumenten und mit zwei unterschiedlichen Ausstiegen. Mit einem engen Ziel waren die Signale etwas besser als Zufallseinstiege, aber zu schwach für die Kosten: PF zwischen 0,73 und 1,13, und keine der 12 Kombinationen überstand die Korrektur für multiples Testen. Mit einem weiten, trendfolgenden Ausstieg schnitten sie auf allen sechs Instrumenten schlechter ab als Zufallseinstiege.
Abkürzungen: R ist das Ergebnis eines Trades in Risikoeinheiten (−1 R = ein Verlust in Höhe des Abstands zum Stop). PF (Profit-Faktor) ist die Summe der Gewinne geteilt durch die Summe der Verluste; PF 1,00 bedeutet null. ATR ist die durchschnittliche Spanne der letzten 14 Kerzen, also ein Maß für die aktuelle Volatilität. H1 ist der Stundenchart.
Hypothese
Smart Money Concepts (SMC) sind ein Satz von Begriffen, die den Chart aus der Sicht der „großen Spieler“ beschreiben. Nach der verbreiteten Erzählung hinterlassen Institutionen im Chart Spuren, die sich lesen lassen. Am häufigsten werden vier Elemente kombiniert:
- Order Block ist die letzte Kerze in der Gegenfarbe vor einem starken Impuls; sie soll die Stelle markieren, an der ein großer Marktteilnehmer eine Position aufgebaut hat;
- FVG (Fair Value Gap) ist eine Lücke zwischen Kerzen, durch die der Kurs so schnell gelaufen ist, dass er die Orders „nicht gefüllt“ hat;
- Sweep ist ein Ausflug des Kurses über ein offensichtliches Niveau hinaus, zum Beispiel unter das gestrige Tief, unter dem die Stops anderer Trader liegen; das soll ein „Einsammeln der Liquidität“ vor einer Bewegung in die Gegenrichtung sein;
- Volumenspitze im Impuls soll bestätigen, dass ein großer Akteur an der Bewegung beteiligt war.
Unsere Version stammte aus dem Code unseres eigenen Expert Advisors (EA), der damals die Charts scannte und dem System solche Setups vorschlug (heute arbeitet er nur noch als Datensammler). Wir nannten ihn „Kombi“, weil er vier Bedingungen auf einmal einsammelte. Die Regel für einen Kauf lautete so (der Verkauf funktionierte spiegelbildlich):
- In den letzten rund 97 H1-Kerzen gibt es einen Aufwärtsimpuls mit einem Kerzenkörper größer als 1,5 ATR und einem Volumen, das mehr als 20 % über dem Durchschnitt der 20 vorangegangenen Kerzen liegt.
- Die Kerze unmittelbar vor dem Impuls ist eine Abwärtskerze (Order Block), und zwischen ihr und der Kerze nach dem Impuls ist eine Lücke geblieben (FVG).
- Seitdem ist der Kurs kein einziges Mal bis auf das Hoch des Order Blocks zurückgefallen.
- Zum Entscheidungszeitpunkt liegt der Kurs unter der Spanne der asiatischen Session (0–8 Uhr Serverzeit) oder unter dem gestrigen Tief (Sweep).
- Der Einstieg erfolgt zum Marktpreis bei Eröffnung einer neuen Kerze, zu jeder beliebigen Uhrzeit.
Die Hypothese haben wir vor dem ersten Durchlauf festgehalten: Solche Signale erreichen nach Kosten einen PF von mindestens 1,25 auf wenigstens einem Instrument. Ebenso ehrlich haben wir unsere Erwartung festgehalten, nämlich ein Scheitern. Jeder Baustein dieses Setups war bei uns schon einzeln gescheitert: Unterstützungen und Widerstände (Kapitel 12–14), die Richtung aus dem bloßen Kurs und hohes Volumen bei Umkehrbewegungen.
Zur Definition haben wir drei Vorbehalte, damit uns niemand mehr zuschreibt, als wir geprüft haben. Erstens bedeutete unser „Sweep“ nur, dass der Kurs jenseits des Niveaus liegt. Eine Rückkehr in die Spanne hinein haben wir nicht verlangt. Zweitens wartete die Regel nicht darauf, dass der Kurs in die Zone des Order Blocks zurückkehrt, sondern stieg zum Marktpreis ein, solange die unberührte Zone noch tiefer lag. Wer mit einer Limit-Order direkt in der Zone einsteigt oder auf eine Bestätigung im kleineren Zeitrahmen wartet, handelt nach einer anderen Regel. Drittens gibt es bei CFDs kein Börsenvolumen, deshalb bedeutete „Volumenspitze“ eine Spitze in der Zahl der Kursänderungen beim Broker.
So haben wir es geprüft
Angefangen hat alles auf dem Demokonto. Das System erhielt von diesem Scanner 17 Signale auf EUR/USD, von denen das Sprachmodell fast alle verwarf. Mechanisch ausgeführt hätten sie einen PF von 0,59 ergeben. Anhand von 17 Signalen lässt sich nichts entscheiden, also haben wir einen Backtest gemacht.
Erster Anlauf (September 2026). Die Regel haben wir eins zu eins aus dem EA-Code übernommen. Wir ließen sie auf sechs Instrumenten laufen: Bitcoin, EUR/USD, Gold, dem deutschen Index, USD/JPY und dem amerikanischen Technologieindex. Die Lernstichprobe umfasste die Jahre 2024–2025; das Jahr 2026 war die Prüfstichprobe, die wir nur auswerten wollten, wenn etwas die Lernstichprobe besteht. Der EA-Code legte keinen Ausstieg fest, deshalb haben wir vor dem Start zwei Varianten eingefroren. In Variante A lag der Stop bei etwa 0,5 ATR (mindestens 0,1 % des Kurses) und das Ziel bei etwa 1 ATR (mindestens 0,2 %). In Variante B lagen Stop und Ziel jeweils bei 1 ATR. Eine Position lebte höchstens 48 Kerzen, als Kosten diente der aktuelle Spread. Kontrolliert haben wir das Ergebnis mit einer Permutation der Richtung, einem Placebo (Zufallseinstiege zu denselben Uhrzeiten, mit demselben Ausstieg), einer Korrektur für 12 gleichzeitige Tests (6 Instrumente × 2 Ausstiege) und dem PF ohne die drei besten Trades. Zum Bestehen waren unter anderem PF ≥ 1,25, Signifikanz nach der Korrektur und ein Ergebnis besser als 95 % der Placebo-Ziehungen nötig.
Zweiter Anlauf (Oktober 2026). Nach unseren Regeln bekommt ein Thema höchstens zwei Anläufe, und den zweiten nur bei einer Änderung des Mechanismus, nicht der Parameter. Es gab genau einen Anlass: Im ersten Anlauf schnitten die Signale meist besser ab als Zufallseinstiege, also kappte vielleicht das enge Ziel jede große Bewegung. Der Einstieg blieb unverändert, den Ausstieg haben wir auf trendfolgend umgestellt: weiterer Stop, kein festes Ziel, Gewinnsicherung nach einer großen Bewegung und eine Zeitgrenze von einigen Tagen. Je Instrument war jeweils eine Position offen. Gerechnet haben wir über die Jahre 2018–2023, die kein Test dieser Regel zuvor gesehen hatte. Die Jahre 2024–2025 haben wir als verbraucht ausgeschlossen, 2026 blieb für einen einzigen Versuch. Die Kosten stammten aus Ticks und enthielten den Kontoaufschlag, dazu kam der Swap. Den Swap haben wir nach heutigen Sätzen berechnet, die höher sind als in jenen Jahren, deshalb musste der PF die 1,25 auch ohne Swap überschreiten. Zu den Kriterien kamen zwei weitere hinzu: ein Ergebnis besser als „immer kaufen“ zu denselben Zeitpunkten und mindestens 60 % der Jahre im Plus.
Vor dem Ergebnis haben wir das Werkzeug selbst geprüft. Die Zahl der Signale aus den Jahren 2024–2025 stimmte auf jedem Instrument stückgenau mit dem ersten Anlauf überein. Der Abschneidetest ergab 0 Abweichungen auf 300 zufälligen Kerzen je Instrument, und ein Stop ohne Kurslücke ergab genau −1,000 R. Skript und Präregistrierung haben wir mit einer Prüfsumme eingefroren und einen einzigen Durchlauf gestartet.
Eine Schwäche des ersten Anlaufs zeigte sich erst beim Schreiben des zweiten. Dasselbe Muster konnte auf mehreren aufeinanderfolgenden Kerzen ein Signal geben, und wir haben jedes davon als eigenen Trade gezählt. Das bläht die Zahl der Beobachtungen auf und lässt die statistischen Tests stärker erscheinen, als sie sind. Im zweiten Anlauf galt bereits die Regel von einer Position zur Zeit. An der Schlussfolgerung ändert das nichts, denn das Ergebnis war ohnehin negativ.
Ergebnis
Erster Anlauf, 2024–2025, enge Ausstiege:
| Instrument | Trades | PF, Variante A | PF, Variante B |
|---|---|---|---|
| Bitcoin | 498 | 1,01 | 1,13 |
| EUR/USD | 760 | 0,83 | 0,81 |
| Gold | 537 | 0,96 | 0,94 |
| deutscher Index | 501 | 0,73 | 0,73 |
| USD/JPY | 468 | 0,98 | 0,87 |
| US-Technologieindex | 906 | 0,74 | 0,78 |
Die beste Zelle, Bitcoin in Variante B, hatte PF 1,13 und p = 0,079 vor der Korrektur, nach der Korrektur für 12 Tests p = 0,94. Keine Zelle erfüllte die Kriterien, das Jahr 2026 haben wir deshalb nicht ausgewertet. In 8 von 12 Zellen schnitten die Signale besser ab als der Durchschnitt der Zufallseinstiege, aber nur in 3 besser als 95 % der Ziehungen. Der Einstieg trug also etwas Information, nur zu wenig gemessen an den Kosten.
Zweiter Anlauf, 2018–2023, trendfolgender Ausstieg:
| Instrument | Trades | PF | PF ohne Swap | Summe | Zufallseinstiege, Durchschnitt | „immer kaufen“ |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bitcoin | 420 | 0,68 | 0,69 | −104,0 R | −38,8 R | +276,6 R |
| EUR/USD | 789 | 0,79 | 0,80 | −119,1 R | −43,3 R | −145,6 R |
| Gold | 528 | 0,80 | 0,82 | −75,2 R | −15,6 R | −73,5 R |
| deutscher Index | 595 | 0,70 | 0,75 | −137,2 R | +5,6 R | −128,8 R |
| USD/JPY | 411 | 0,76 | 0,79 | −74,1 R | −0,2 R | +119,7 R |
| US-Technologieindex | 787 | 0,72 | 0,79 | −164,3 R | −43,1 R | −19,4 R |
Kein Instrument kam auch nur in die Nähe der Schwelle von PF 1,25, auch nicht ohne Swap. Im Plus endeten 0 bis 3 von 6 Jahren. Auf allen sechs Instrumenten schnitt das Signal schlechter ab als der Durchschnitt der Zufallseinstiege. Das Jahr 2026 blieb unangetastet, und das Thema haben wir endgültig geschlossen.
Warum es nicht funktioniert
Ein Sweep beginnt eine Bewegung häufiger, als dass er sie beendet. Unsere Deutung beider Ergebnisse ist beschreibend und wurde nicht separat getestet. Bei einem Ziel im Abstand von 1 ATR war das Signal etwas besser als der Zufall, nach dem „Einsammeln der Liquidität“ kommt es also mitunter zu einer kurzen Gegenbewegung von einigen Stunden. Wenn der Ausstieg der Position mehrere Tage Zeit lässt, liegt der Vorteil auf der Gegenseite: Ein Markt, der das gestrige Tief durchbrochen hat, läuft häufiger weiter nach unten. Das passt zu Kapitel 24, in dem auch das Handeln gegen Ausbrüche keinen Vorteil brachte.
Ein enger Ausstieg überlässt die Information den Kosten, ein weiter überlässt sie dem Markt. Die Gegenbewegung war zu klein, um bei einem Stop von 0,5–1 ATR den Spread zu decken. Der weite Ausstieg ließ nicht zu, an ihr zu verdienen, setzte die Position dafür aber der weiteren Bewegung in die falsche Richtung aus. Beide im Voraus festgelegten Ausstiege haben verloren, das Problem liegt also im Einstieg.
Vier schwache Elemente ergeben kein starkes. Das Kombinieren von Bedingungen verringert die Zahl der Signale, erzeugt aber keine Information, die in keinem der Bausteine steckt. Unterstützungen und Widerstände, die Richtung aus dem Kurs und hohes Volumen brachten einzeln geprüft keinen Vorteil, und auch ihre Kombination brachte keinen.
Tick-Volumen ist keine Unterschrift von Institutionen. Bei CFDs messen wir die Aktivität bei einem einzigen Broker. Dieses Maß steigt meist zusammen mit der Volatilität, sodass die „Volumenspitze“ im Impuls zu einem großen Teil nur die Bedingung „große Kerze“ wiederholen könnte.
Die Umkehrung ist verlockend, aber eine Wahl im Nachhinein. Wenn das Signal schlechter ist als der Zufall, warum nicht andersherum handeln? Eine rein beschreibende Auswertung derselben Jahre 2018–2023 zeigte, dass das umgedrehte Setup auf 5 von 6 Instrumenten verliert (PF 0,69–0,88). Die einzige Ausnahme, Bitcoin (+85,9 R, PF 1,38), verlor gegen einfaches Kaufen zu denselben Zeitpunkten (+276,6 R). Das war also die Bitcoin-Hausse und kein Signal. Diese eine, nach dem Ergebnis ausgewählte Zelle haben wir in einem einzigen Versuch am zuvor nicht angesehenen Jahr 2026 geprüft. Sie ergab 49 Trades, +5,3 R und PF 1,15, ohne die drei besten Trades aber PF 0,33, und „immer kaufen“ brachte zu denselben Zeitpunkten +12,5 R. Ein Beweis fehlt, die Strategie haben wir nicht eingesetzt. Warum die beste Zelle aus vielen per Definition überschätzt ist, erklären wir in Kapitel 7.
Die Lehre für dich
SMC bietet ein reiches Vokabular, um einen Chart zu beschreiben. Unser Test widerlegt nicht jede denkbare Version dieses Konzepts, zeigt aber, was nötig ist, damit es sich überhaupt prüfen lässt: Die Regel muss so aufgeschrieben sein, dass ein Computer sie wiederholen kann. Erst dann weiß man, ob das Setup etwas beiträgt.
So prüfst du dein Setup:
- Schreibe jedes Element in Zahlen auf: wie groß der Impuls ist, wie viele Kerzen zurück, was „unberührte Zone“ heißt, wann genau der Einstieg erfolgt. Würden zwei Personen denselben Order Block unterschiedlich einzeichnen, existiert die Regel noch nicht.
- Vergleiche das Ergebnis mit Zufallseinstiegen zu denselben Uhrzeiten, mit demselben Stop, demselben Ziel und denselben Kosten. Ein Setup, das den Zufall nicht schlägt, ist nur eine Methode, die Uhrzeit des Einstiegs auszuwählen.
- Lege vor dem Test zwei Ausstiege fest, einen engen und einen weiten. Verlieren beide, liegt das Problem im Einstieg und nicht im Positionsmanagement.
- Zähle ein Setup nur einmal. Gibt dasselbe Muster auf mehreren aufeinanderfolgenden Kerzen ein Signal, ist das im Test ein Trade und nicht mehrere.
- Dreh das Signal nicht im Nachhinein um. Wenn es dich reizt, halte die Umkehrung als neue Hypothese fest, prüfe sie auf Daten, die du noch nicht angesehen hast, und vergleiche sie mit dem einfachen Halten des Instruments.
Notiere im Trading-Tagebuch bei jedem Trade, welche Elemente des Setups erfüllt waren; nach einigen Dutzend Einträgen siehst du, ob die volle „Kombi“ besser abschneidet als die Version mit zwei Elementen. Der Rechner „Glück oder Vorteil?“ zeigt dir, ob sich das Ergebnis vom Zufall unterscheidet und wie viel davon ohne die drei besten Trades übrig bleibt.
Bildungsinhalt, keine Anlageberatung. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für künftige. Wir beschreiben das Ergebnis unserer Rekonstruktion einer einzelnen, genau festgelegten Regel aus SMC-Begriffen, auf Basis unserer Daten und unserer Handelskosten. Es ist keine Bewertung aller Arten, nach diesem Konzept zu handeln.