Was ist ein Trailing Drawdown? EOD und Intraday erklärt
8 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 28.10.2026
Ein Trailing Drawdown ist ein nachziehendes Gesamtverlustlimit: eine Grenze, die dem bisher höchsten Stand des Kontos nach oben folgt und nie wieder sinkt. Milder ist die Variante zum Tagesschluss (EOD): Sie zählt nur den Kontostand nach Tagesende, die Variante im Tagesverlauf (Intraday) jedes Hoch. In unserer Simulation bestanden dieselben Trades ohne Vorteil die Phase 51-mal von 100 mit statischem Limit und 41-mal mit nachziehendem EOD-Limit.
Abkürzungen: Der Kontostand enthält nur geschlossene Trades, die Equity zusätzlich das Ergebnis offener Positionen. R ist das Ergebnis in Risikoeinheiten. EOD (engl. end of day) heißt Berechnung zum Tagesschluss, Intraday laufende Berechnung.
Vier Regeln auf einem Konto: Beispiel Tag für Tag
In unserem Vergleich von 43 Prop-Programmen (Stand 27.10.2026) haben 11 einen Trailing Drawdown: sechs bis zum Startkapital, drei intraday und zwei EOD.
Das Konto hat 100.000, das Gesamtverlustlimit beträgt 6.000, also 6 %. Die Grenzen:
- statisch: 94.000, die ganze Zeit;
- nachziehend EOD: höchster Kontostand nach Tagesschluss minus 6.000;
- nachziehend intraday: höchste Equity zu irgendeinem Zeitpunkt minus 6.000;
- nachziehend bis zum Startkapital: wie EOD, bleibt aber bei 100.000 stehen.
Jeden Tag kommt zuerst das Hoch, dann das Tief.
| Tag | Equity-Hoch | Tief nach dem Hoch | Kontostand zum Tagesschluss | Grenze EOD | Grenze intraday | Grenze bis Startkapital |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 102.400 | 99.700 | 102.000 | 94.000 | 96.400 | 94.000 |
| 2 | 104.600 | 101.800 | 104.000 | 96.000 | 98.600 | 96.000 |
| 3 | 108.000 | 102.500 | 106.500 | 98.000 | 102.000 | 98.000 |
| 4 | 106.900 | 101.400 | 101.800 | 100.500 | 102.000, gerissen | 100.000 |
| 5 | 102.500 | 100.200 | 100.800 | 100.500, gerissen | Konto verloren | 100.000 |
An Tag 4 liegt die EOD-Grenze bei 106.500 − 6.000 = 100.500. Es zählt der Kontostand nach Tag 3, nicht das Hoch von 108.000. Die Intraday-Grenze liegt bei 108.000 − 6.000 = 102.000, also reißt das Tief von 101.400 nur sie. An Tag 5 reißt das Tief von 100.200 die EOD-Grenze. Über der Grenze bis zum Startkapital, die bei 100.000 stehen geblieben ist, bleibt es aber.
Nach fünf Tagen steht das Konto bei +800. Beim statischen Limit bleiben 6.800 Puffer, beim Limit bis zum Startkapital 800, bei EOD und Intraday ist das Konto verloren.
Ein häufiger Fehler: Tageshochs addieren. Bis Tag 3 stieg das Konto vom Tagesbeginn bis zum Hoch um 2.400, 2.600 und 4.000. Die Summe, 9.000, setzt die Intraday-Grenze auf 103.000 und macht aus dem Tief von 102.500 einen Verstoß. Die Grenze zählt aber vom höchsten Stand, also 108.000, und liegt deshalb bei 102.000. Die Summe zählt Gewinn doppelt, den das Konto abgegeben und wieder aufgeholt hat.
Unsere Messung: dieselben Trades, vier Regeln
Die Engine unseres Challenge-Rechners hat zwei Sätze von Trades durchgerechnet. Der erste hat keinen Vorteil: 40 % Treffer, Gewinn 1,5 R, Verlust 1 R, also 0,4 × 1,5 − 0,6 × 1 = 0 R. Der zweite hat 44 % Treffer, also 0,44 × 1,5 − 0,56 × 1 = +0,1 R. Gehandelt wird an 4 Tagen pro Woche, mit zwei Trades pro Tag.
Phase: Ziel 10 %, 4 Mindesttage, ohne Zeitlimit, Tageslimit 5 % des Startkapitals. Geändert haben wir nur das Gesamtlimit. Jede Zelle umfasst 20.000 Durchläufe, und in jedem lief dieselbe Folge von Trades durch alle vier Regeln.
Chance, die Phase zu bestehen, in % (Spaltenköpfe: Erwartungswert und Risiko pro Trade):
| Limit | Regel | 0 R, 0,5 % | 0 R, 1 % | +0,1 R, 0,5 % | +0,1 R, 1 % |
|---|---|---|---|---|---|
| 10 % | statisch | 50,4 | 50,8 | 93,9 | 80,7 |
| 10 % | EOD | 39,5 | 41,0 | 85,0 | 68,3 |
| 10 % | intraday | 39,0 | 39,8 | 84,3 | 66,9 |
| 10 % | bis Startkapital | 39,5 | 41,0 | 85,0 | 68,3 |
| 6 % | statisch | 38,6 | 39,5 | 82,2 | 65,6 |
| 6 % | EOD | 23,0 | 26,0 | 58,6 | 45,7 |
| 6 % | intraday | 22,0 | 24,3 | 56,7 | 43,1 |
| 6 % | bis Startkapital | 25,5 | 28,1 | 63,5 | 48,8 |
Das Tageslimit griff kein einziges Mal, denn zwei Verluste zu je 1 % sind nur 2 % Verlust. Die Zeit war nicht begrenzt, also scheiterte die Phase fast immer am Gesamtlimit.
Ohne Vorteil und mit statischem Limit von 10 % liegen Ziel und Grenze gleich weit entfernt, also besteht jeder zweite Durchlauf. Das nachziehende Limit kostet jeden fünften dieser bestandenen Durchläufe. Bei 1 % Risiko bestand dieselbe Folge in 9,8 % der Durchläufe mit statischem Limit und scheiterte mit EOD. Den umgekehrten Fall gab es nicht. Ein Vorteil von +0,1 R hebt den Unterschied nicht auf: 80,7 % gegenüber 68,3 %.
Das ist eine Simulation mit angenommener Verteilung der Ergebnisse, keine Historie echter Konten. Jeder Trade endet genau bei +1,5 R oder −1 R.
Den Intraday-Höchststand rechnen wir wie der Rechner nur aus geschlossenen Trades. Die Firma zählt auch offene Gewinne, unsere Intraday-Zahlen sind also eher eine Obergrenze. Wir haben das genähert: Jeder Verlusttrade lag zuerst 0,5–1 R im Plus. Bei 1 % Risiko und 10 % Limit sank die Intraday-Chance dann um weitere 1,5–5 Punkte.
Was übliche Ratgeber nicht sagen
Gewinn vergrößert den Puffer nicht. Beim statischen Limit entfernt jeder Gewinn das Konto von der Grenze. Bei EOD und Intraday ist der Puffer nach Tagesschluss nie größer als das Limit selbst. Eine schlechte Woche kann ihn fast ganz aufzehren. In unserem Carry-Test auf Währungen brachte die schlechteste Woche −9,3 % bei 0,5 % Risiko pro Position (Kapitel 38).
Intraday frisst Gewinn, den du wieder abgibst. An Tag 3 stieg das Konto auf 108.000 und schloss den Tag bei 106.500. Die Intraday-Grenze landete bei 102.000, die EOD-Grenze bei 100.500. Das sind 1.500 weniger Puffer, obwohl der Tag im Plus war.
Kontostand oder Equity. Das Hoch kann aus dem Kontostand zum Tagesschluss kommen, der Verstoß aus der Equity zu jedem Zeitpunkt. Dann entscheidet ein kurzes Tief einer offenen Position. Kommt das Hoch aus der Equity, hebt sogar eine Position die Grenze an, die später am Stop endet.
Der Halt beim Startkapital bringt nicht immer etwas. Bei Ziel und Limit von je 10 % erreicht die Grenze 100.000 erst bei einem Kontostand von 110.000, also im Moment des Bestehens. In der Phase wirkt diese Variante deshalb wie EOD: In unseren Durchläufen gab sie kein einziges Mal ein anderes Ergebnis. Bei 6 % Limit und 0,5–1 % Risiko brachte sie 2–5 Prozentpunkte mehr.
Nach der Auszahlung gehen die Regeln auseinander. Die Grenze kann auf dem höchsten Stand bleiben oder neu vom Kontostand nach der Auszahlung zählen. Im ersten Fall lässt die Auszahlung des ganzen Gewinns das Konto knapp an der Grenze. Die Regeln unterscheiden sich zwischen Firmen, prüfe sie deshalb vor der ersten Auszahlung in den Bedingungen.
Das Risiko pro Trade verändert den Unterschied. Mit +0,1 R Vorteil und 10 % Limit kostete EOD bei 0,25 % Risiko 1,4 Punkte, bei 0,75–1 % etwa 12,5 und bei 2 % 8,4. Bei kleinem Risiko wirkt der Vorteil, bevor die Grenze das Konto einholt, bei großem entscheiden wenige Trades über die Phase.
Prüf es bei dir
Challenge-Rechner. Wähle unter „Firma und Programm“ ein Preset oder eigene Regeln und ändere nur die „Art“ des Gesamtverlustlimits. Die Trades kommen „Aus dem Tagebuch“, aus einem Bericht oder aus dem Reiter „Parameter“. Unser Beispiel dort: „Trefferquote %“ 40, „Durchschn. Gewinn (R)“ 1,5, „Durchschn. Verlust (R)“ 1, „Trades pro Handelstag“ 2, „Handelstage pro Woche“ 4, dann „Diese Parameter verwenden“. Regeln: „Anzahl der Phasen“ 1, „Gewinnziel %“ 10, „Min. Anzahl Tage“ 4, „Tagesverlustlimit %“ 5, „Gesamtverlustlimit %“ 10.
Bei 1 % Risiko siehst du 52 % mit statischem Limit und 42 % mit EOD, also denselben Unterschied wie in unserer Tabelle: 10 Punkte. Der Rechner rechnet 2.000 Durchläufe pro Risikostufe, daher die Abweichung um etwa einen Punkt.
Werkzeug im Terminal. Während der Phase hilft ein Werkzeug, das das Limit im Terminal überwacht und die Grenze aus der Equity nach der Regel der Firma berechnet.
Fragen
Wird ein Trailing Drawdown zurückgesetzt?
Nicht während der Phase. Die Grenze des nachziehenden Limits steigt nur und geht nach einem Verlust nicht zurück. Täglich zurückgesetzt wird das Tageslimit, nicht das Gesamtlimit. Eine Auszahlung verändert die Grenze je nach Firma unterschiedlich.
EOD oder Intraday: Was ist milder?
EOD, denn es zählt nur den Kontostand nach Tagesschluss, also hebt ein zuvor abgegebenes Hoch die Grenze nicht an. In der Simulation kostete Intraday 0,5 bis 3 Punkte Bestehenschance, mit Höchstständen aus der Equity mehr.
Zählt der Trailing Drawdown vom Kontostand oder von der Equity?
Das hängt von den Bedingungen ab. Prüfe getrennt, woraus das Hoch berechnet wird und worauf der Verstoß geprüft wird. Ein Verstoß auf Equity-Basis sieht das Tief einer offenen Position, das der Kontostand nie zeigt.
Wann hört ein nachziehendes Limit auf zu steigen?
Ein gewöhnliches nachziehendes Limit steigt mit jedem neuen Hoch. Die Variante bis zum Startkapital bleibt stehen, sobald der höchste Kontostand das Startkapital um die Höhe des Limits übersteigt. Bei einem Konto von 100.000 und einem Limit von 6.000 passiert das bei 106.000. Ab dann steht sie still wie ein statisches Limit.
Bildungsinhalt, keine Anlageberatung. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für künftige. Die Zahlen im Beispiel sind für die Rechnung erfunden. Die Simulation beschreibt eine angenommene Verteilung von Trades, keine echten Konten und nicht die Bedingungen einer bestimmten Firma.