Tagesverlustlimit (Daily Drawdown): vom Kontostand oder vom Startkapital, und wann ist der Reset?
10 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 28.10.2026
Das Tageslimit zählt vom Stand des Kontos beim Tagesreset, meist vom Kontostand oder vom höheren Wert aus Kontostand und Equity; geprüft wird die Equity. Meist ist der Reset um Mitternacht Serverzeit oder um 17:00 Uhr in New York. In Mitteleuropa ist das 23:00 Uhr, in den Wochen der versetzten Zeitumstellung 22:00 Uhr. Ob der Betrag vom Startkapital oder vom Kontostand zählt, änderte in unserer Simulation nur bei einem Limit von genau drei Stops etwas. Eine Pause bis Tagesende statt Kontoverlust hob die Bestehenschance von 32 auf 54 %.
Abkürzungen: Der Kontostand enthält nur geschlossene Trades, die Equity zusätzlich das Ergebnis offener Positionen. R ist das Ergebnis in Risikoeinheiten.
Drei Regeln, derselbe Tag: Beispiel Schritt für Schritt
In unserem Vergleich von 43 Prop-Programmen (Stand 28.10.2026) haben 39 ein Tageslimit. Am häufigsten beträgt es 5 % (13 Programme), 4 % (12) oder 3 % (11). Die Tagesgrenze ist der Stand des Kontos beim Reset des Tages abzüglich des Limitbetrags. Dieser Stand ist der Kontostand (15 Programme), der höhere Wert aus Kontostand und Equity (18) oder die Equity allein (3). In 3 Programmen sagen die Regeln es nicht. Der Betrag ist in 15 Programmen ein Prozentsatz des Startkapitals, in 21 ein Prozentsatz des Stands beim Reset.
Das Konto hat 100.000, das Tageslimit beträgt 5 %. Beim Reset steht der Kontostand bei 104.000, und eine Position ist offen. Im Lauf des Tages schließt du nichts.
- Fall 1: Beim Reset liegt die Position bei +2.000 (Equity 106.000), dann fällt sie auf −3.500 (Equity 100.500).
- Fall 2: Beim Reset liegt die Position bei −2.000 (Equity 102.000), dann fällt sie auf −5.500 (Equity 98.500).
| Regel | Fall 1: Grenze | Equity 100.500 | Fall 2: Grenze | Equity 98.500 |
|---|---|---|---|---|
| Kontostand beim Reset − 5 % des Startkapitals | 99.000 | Puffer 1.500 | 99.000 | gerissen um 500 |
| Kontostand beim Reset − 5 % dieses Kontostands | 98.800 | Puffer 1.700 | 98.800 | gerissen um 300 |
| höherer Wert aus Kontostand und Equity beim Reset − 5 % davon | 100.700 | gerissen um 200 | 98.800 | gerissen um 300 |
In Fall 1 zählt die dritte Regel von der Equity 106.000. Der schwebende Gewinn von vor dem Reset geht in das heutige Limit ein. Gibst du diese 2.000 zurück, ist das ein Verlust des neuen Tages. Der Rückgang um 5.500 reißt das Limit von 5.300.
In Fall 2 zählen alle Regeln vom Kontostand 104.000, weil die Equity niedriger ist. Der schwebende Verlust von gestern frisst das heutige Limit ab der ersten Minute. Seit dem Reset fiel die Equity nur um 3.500, und die Grenze riss, obwohl nichts geschlossen wurde. Mit der Equity allein als Bezugspunkt läge die Grenze bei 96.900.
Ein Betrag vom Kontostand wächst nach Gewinnen und schrumpft nach Verlusten: Bei einem Kontostand von 96.000 sind es 4.800 statt 5.000.
Wann der Tag neu beginnt und wie spät es dann bei dir ist
Der neue Tag des Limits beginnt beim Reset, nicht um deine Mitternacht. In den 39 Programmen mit Tageslimit sieht das so aus:
| Reset laut Regeln der Firma | Programme | Uhrzeit in Deutschland und Polen |
|---|---|---|
| Mitternacht Serverzeit | 14 | meist 23:00, je nach Serveruhr |
| 17:00 in New York | 10 | 23:00, aber 8.–28.03. und 25.–31.10.2026 um 22:00 |
| Mitternacht mitteleuropäischer Zeit | 7 | 00:00 das ganze Jahr |
| Mitternacht UTC | 4 | 01:00 in der Winterzeit, 02:00 in der Sommerzeit |
| andere oder nicht angegeben | 4 | — |
2026 haben die USA am 8. März auf Sommerzeit umgestellt, Europa am 29. März. Im Herbst kehrte Europa am 25. Oktober zur Winterzeit zurück, die USA folgen am 1. November. In diesen Wochen ist 17:00 Uhr in New York in Mitteleuropa 22:00 Uhr. Eine Position, die du am Dienstag, 27. Oktober, um 22:30 Uhr eröffnest, gehört also schon zum neuen Tag.
Mitternacht Serverzeit hängt vom Broker der Firma ab. Bei unserem Broker läuft die Serveruhr nach New York + 7 Stunden, also fällt ihre Mitternacht auf 17:00 Uhr in New York. Der Abstand zur mitteleuropäischen Zeit beträgt dann während 3–4 Wochen im Jahr zwei Stunden statt einer (Kapitel 2). Firmen schreiben meist „17:00 EST“, obwohl EST formal die Winterzeit ist. Nur 2 der 10 Programme mit Reset um 17:00 Uhr schreiben ausdrücklich, dass sich der Reset im Sommer mit New York verschiebt.
Unsere Messung: Startkapital, Kontostand oder Pause
Die Engine unseres Challenge-Rechners hat zwei Sätze von Trades durchgerechnet. Der erste: 40 % Treffer, Gewinn 1,5 R und Verlust 1 R, also 0 R pro Trade. Der zweite: 44 % Treffer, also +0,1 R. Handel an 4 Tagen pro Woche, mit je 4 Trades pro Tag. Phase: Ziel 10 %, 4 Mindesttage, ohne Zeitlimit, Gesamtverlustlimit 10 % statisch. Jede Zelle umfasst 20.000 Durchläufe, und in jedem lief dieselbe Folge von Trades durch fünf Varianten des Tageslimits von 5 %.
Chance, die Phase zu bestehen, in % (in Klammern: Anteil der Durchläufe, die das Tageslimit beendet hat; Spaltenköpfe: Erwartungswert und Risiko pro Trade):
| Tageslimit 5 % | 0 R, 1 % | 0 R, 1,5 % | +0,1 R, 1 % | +0,1 R, 1,5 % |
|---|---|---|---|---|
| kein Tageslimit | 50,1 | 48,4 | 80,9 | 72,0 |
| vom Startkapital, Konto verloren | 50,1 | 31,5 (63,1) | 80,9 | 48,8 (47,7) |
| vom Kontostand, Konto verloren | 50,1 | 31,5 (63,1) | 80,9 | 48,8 (47,7) |
| vom Startkapital, Pause bis Tagesende | 50,1 | 53,8 | 80,9 | 76,5 |
| vom Kontostand, Pause bis Tagesende | 50,1 | 53,2 | 80,9 | 76,2 |
Bei 1 % Risiko griff das Limit kein einziges Mal, denn vier Stops sind 4 %. Bei 1,5 % sind vier Stops schon 6 %. Ohne Vorteil kommt ein Tag mit vier Verlusten etwa an jedem achten Handelstag vor. Das Limit beendete dann 63 von 100 Durchläufen, und die Chance sank von 48 auf 32 %. Ein Vorteil von +0,1 R schützte nicht: 72 gegenüber 49 %.
Bei Kontoverlust ergaben Startkapital und Kontostand in jedem Paar von Durchläufen dasselbe Ergebnis. Bei einem Kontostand zwischen 90.000 und 110.000 liegt der Betrag vom Kontostand zwischen 4.500 und 5.500, und der Tagesverlust wächst in Schritten von 1.500. Ein Verlust von 4.500 passt also in beide Varianten, 6.000 reißt beide.
Ein Unterschied entsteht, wenn das Limit genau so viele Stops fasst, wie du einplanst. Bei 3 % Limit, drei Trades pro Tag und 1 % Risiko enden drei Verluste vom Startkapital aus genau auf der Grenze. Ohne Vorteil bestanden dann 51 % der Durchläufe. Vom Kontostand aus ist das Limit unter dem Startkapital kleiner, etwa 2.940 bei 98.000, und die Chance sank auf 32 %. Es reicht aber ein Verlust von 1,02 % statt 1 %, also 0,02 R Kosten oder Slippage. Dann sank die Chance vom Startkapital aus auf 10 % und vom Kontostand aus auf 23 %. Über dem Startkapital wächst nämlich das Limit vom Kontostand.
Die Pause brachte mehr als gar kein Limit, weil die Engine Positionen genau auf der Grenze schließt und so die schlimmsten Tage abschneidet. Im Modus „vorsichtig“ läuft jede Position vor dem Schließen bis zum Stop, auch eine, die am Ende gewinnt. Dann brachte bei 0 R und 1,5 % die Pause 41 %, kein Limit 45 % und Kontoverlust 21 %.
Das ist eine Simulation mit angenommener Verteilung, keine Historie echter Konten: Jeder Trade endet genau bei +1,5 R oder −1 R. Die Regel „höherer Wert aus Kontostand und Equity“ rechnet die Engine nicht, weil sie alle Positionen innerhalb des Tages schließt.
Was übliche Ratgeber nicht sagen
Ein Gewinn am Morgen vergrößert den Puffer. Die Tagesgrenze steht von Reset zu Reset still. In der ersten Regel des Beispiels, bei einem Kontostand von 104.000, liegt sie bei 99.000. Nach einem Gewinn von 3.000 am Morgen steht der Kontostand bei 107.000, also bleiben bis zur Grenze 8.000 statt 5.000.
Eine einzige Position kann das Limit allein reißen. In unserem Carry-Test schützte ein Stop auf Tagesschlussbasis nicht vor einer Bewegung innerhalb einer Sitzung. Die schlechteste Position verlor 6,8 R (Kapitel 38). Bei 0,5 % Risiko sind das 3,4 % des Kontos, mehr als ein Limit von 3 %. Das Limit sieht die Equity zu jedem Zeitpunkt, also zählt die Stop-Order im Terminal, nicht ein Ausstiegsplan.
Ein Limit von genau N Stops hat keinen Puffer. Kosten und Slippage schieben den N-ten Verlust über die Grenze, und vom Kontostand aus ist das Limit unter dem Startkapital noch kleiner. Rechne den Stop mit Kosten.
Prüf es bei dir
Challenge-Rechner. Im Reiter „Parameter“ trägst du ein: „Trefferquote %“ 40, „Durchschn. Gewinn (R)“ 1,5, „Durchschn. Verlust (R)“ 1, „Trades pro Handelstag“ 4, „Handelstage pro Woche“ 4, dann „Diese Parameter verwenden“. Regeln: „Anzahl der Phasen“ 1, „Gewinnziel %“ 10, „Min. Anzahl Tage“ 4, „Tagesverlustlimit %“ 5, „Bezogen auf“ Startkapital, „Gesamtverlustlimit %“ 10.
In der Tabelle „Chancen bei unterschiedlichem Risiko“, Zeile 1,50 %, zeigt die Spalte „Bestanden“ 30 % und die Spalte „Tageslimit“ 67 %. Stellst du „Bei Überschreiten des Tageslimits“ auf „Pause bis Tagesende“, siehst du 55 %. Der Rechner rechnet 2.000 Durchläufe, daher Abweichungen von bis zu 4 Punkten zu unserer Tabelle. Mit 3 Trades pro Tag und 3 % Tageslimit zeigt die Zeile 1 % 50 % vom Startkapital und 30 % vom Kontostand.
Der Vergleich der Programme zeigt beim Tageslimit, wovon sein Betrag berechnet wird.
Werkzeug im Terminal. Während der Phase hilft ein Werkzeug, das die Tagesgrenze aus der Equity nach der Regel der Firma berechnet und die Uhrzeit des Resets kennt.
Fragen
Zählt das Tageslimit vom Kontostand oder von der Equity?
Geprüft wird auf der Equity, also mit dem Verlust offener Positionen: 29 von 39 Programmen in unserem Vergleich schreiben das ausdrücklich. Bezugspunkt ist der Kontostand beim Reset (15 Programme), der höhere Wert aus Kontostand und Equity (18) oder die Equity allein (3).
Wann wird das Tageslimit zurückgesetzt?
Nach den Regeln der Firma: um Mitternacht Serverzeit, mitteleuropäischer Zeit oder UTC oder um 17:00 Uhr in New York. Letzteres ist in Mitteleuropa meist 23:00 Uhr, vom 8. bis 28. März und vom 25. bis 31. Oktober 2026 aber 22:00 Uhr.
Zählt eine offene Position zum Tageslimit?
Ja, ihr Verlust geht vor dem Schließen in die Equity ein. Über den Reset gehalten, trägt sie ihr Ergebnis in den neuen Tag. Der schwebende Verlust von gestern verkleinert den heutigen Puffer. Bei der Regel „höherer Wert aus Kontostand und Equity“ hebt der schwebende Gewinn die Grenze an.
Was passiert, wenn das Tageslimit überschritten wird?
In 37 von 39 Programmen ist das Konto verloren, in zweien ruht der Handel bis Tagesende. In unserer Simulation hob die Pause die Bestehenschance von 32 auf 54 %, im Modus „vorsichtig“ von 21 auf 41 %.
Bildungsinhalt, keine Anlageberatung. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für künftige. Die Zahlen im Beispiel sind für die Rechnung erfunden. Die Simulation beschreibt eine angenommene Verteilung von Trades, keine echten Konten und nicht die Bedingungen einer bestimmten Firma. Die Regeln der Firmen ändern sich, prüfe sie deshalb an der Quelle.